Du stehst vor dem Regal oder scrollst durch einen Online-Shop. Hunderte Tarotkarten-Decks. Tier-Tarot, Gothic-Tarot, Engel-Decks, klassische Rider-Waite-Varianten in allen erdenklichen Farben.
Welches nehmen?
Keine Panik. Es gibt ein paar simple Anhaltspunkte, die dir die Entscheidung leichter machen. Und am Ende des Artikels weißt du, worauf es wirklich ankommt.
Die drei großen Tarot-Systeme
Bevor du dich in die Bilderflut stürzt, solltest du wissen: Es gibt drei große Tarot-Traditionen, auf denen fast alle modernen Decks basieren.
Das Rider-Waite-Tarot ist der Klassiker. 1909 von Arthur Edward Waite entworfen, von Pamela Colman Smith illustriert. Klare Symbole, jede Karte erzählt eine kleine Geschichte. Die meisten Einsteiger-Bücher und Apps beziehen sich darauf. Wenn du gerade anfängst, ist ein Rider-Waite-Deck oder eine seiner vielen Varianten eine sichere Wahl.
Das Thoth-Tarot von Aleister Crowley ist komplexer. Die Bilder sind abstrakter, die Symbolik tiefer geschichtet. Kabbala, Astrologie, ägyptische Mythologie – alles drin. Wunderschön, aber für Anfängerinnen oft überfordernd. Wenn du schon Erfahrung hast oder dich in esoterische Systeme vertiefen willst, ist Thoth großartig.
Das Tarot de Marseille ist das älteste noch verbreitete System. Simpel, fast mittelalterlich anmutend. Die Zahlenkarten zeigen nur die Symbole (Stäbe, Kelche, Schwerter, Münzen), keine Szenen. Das macht die Deutung intuitiver, aber auch schwieriger für Leute, die gern ein Bild vor Augen haben.
Wenn du kostenlos Karten legen möchtest, um ein Gefühl für verschiedene Systeme zu bekommen, kannst du das direkt online ausprobieren.
Lass die Bilder zu dir sprechen
Jetzt kommt der wichtigste Teil: Schau dir die Karten an. Wirklich anschauen, nicht nur überfliegen.
Verstehst du die Symbolik intuitiv? Oder wirkt sie wie ein Rätsel, das du jedes Mal neu knacken musst?
Wenn die Bilder dich ansprechen, wirst du schneller einen Zugang finden. Wenn du jedes Mal ins Begleitheft schauen musst, weil die Karte dir nichts sagt, wird das auf Dauer frustrierend.
Manche Decks sind verspielt und bunt, andere dunkel und mystisch. Manche haben moderne Illustrationen, andere wirken wie aus einem alten Märchenbuch. Such dir etwas, das deinem ästhetischen Empfinden entspricht. Du wirst diese Karten oft in die Hand nehmen.
Wie fühlen sich die Tarotkarten in deinen Händen an?
Ein Deck kann noch so schön sein – wenn es sich beim Mischen anfühlt wie ein Stapel Bierdeckel, wird es dir keine Freude machen.
Sind die Karten zu groß für deine Hände? Zu klein? Zu glatt, sodass sie dir ständig wegrutschen?
Das sind keine Kleinigkeiten.
Falls möglich, teste das Deck vorher. Misch ein paarmal. Zieh eine Karte. Spür hin: Macht es Spaß? Wenn du online bestellst, schau dir Rezensionen an. Oft schreiben Leute genau darüber: Kartendicke, Oberfläche, Haptik.
Ein paar konkrete Decks im Überblick
Hier ein paar Beispiele, sortiert nach Stil und Einsatzgebiet:
Für Einsteigerinnen: Das „Rider-Waite Tarot" oder das „Universal Waite Tarot" (sanftere Farben). Oder das „Tarot of the New Vision" – zeigt die Rider-Waite-Szenen aus einer anderen Perspektive, was den Deutungsspielraum erweitert.
Für Fantasy-Fans: Das „Shadowscapes Tarot" (wunderschöne, verträumte Aquarelle) oder das „Wild Unknown Tarot" (minimalistische Tier- und Naturmotive).
Für alle, die es düster mögen: Das „Deviant Moon Tarot" oder das „Dark Mansion Tarot". Beide haben eine Gothic-Ästhetik, die nicht jeder mag, aber die ihre Fans absolut lieben.
Für Fortgeschrittene: Das „Thoth Tarot" (Crowley) oder das „Haindl Tarot" (verbindet verschiedene spirituelle Traditionen).
Für alle, die es klassisch wollen: Das „Tarot de Marseille" in einer der vielen restaurierten Versionen (z.B. Jodorowsky-Camoin).
Das sind nur Beispiele. Es gibt Hunderte weitere Decks. Such dir eins, das dich optisch anzieht. Der Rest kommt später.
Schau dir das Begleitheft an
Fast alle Tarotkarten kommen mit einem kleinen Büchlein. Lies da mal rein.
Sind die Erklärungen verständlich? Passen sie zu den Bildern? Oder beschreibt das Heft eine Bedeutung, die du auf der Karte beim besten Willen nicht sehen kannst?
Gerade am Anfang wirst du oft nachschlagen. Such dir also ein Deck, bei dem dir das Lesen des Begleithefts keine Kopfschmerzen bereitet.
Manche Decks haben nur ein dünnes Faltblatt mit Stichworten. Andere kommen mit einem 200-Seiten-Buch. Überleg dir, was du brauchst. Wenn du schon ein gutes Tarot-Grundlagenbuch hast, reicht ein Faltblatt. Wenn du ganz neu bist, ist ein ausführlicheres Begleitheft Gold wert.
Hält das Deck was aus?
Tarotkarten sind Gebrauchsgegenstände. Sie werden gemischt, angefasst, manchmal in die Sonne gelegt, um sie energetisch zu reinigen.
Qualitativ hochwertige Decks sind auf stabilem Karton gedruckt, oft mit einer Schutzschicht versehen. Sie halten jahrelang. Billige Decks können schon nach wenigen Monaten ausgefranst oder fleckig sein.
Kannst du die Karten notfalls abwischen, ohne dass sie aufquellen? Verblassen die Farben nach ein paar Wochen Sonnenlicht?
Investier lieber einmal richtig. Ein gutes Deck kostet zwischen 20 und 40 Euro. Das ist nicht viel, wenn du bedenkst, dass du es jahrelang nutzen wirst.
Wofür willst du die Karten nutzen?
Stellst du dir vor, für andere zu legen? Oder eher für dich selbst, zur Meditation und Selbstreflexion?
Wenn du für andere lesen willst, sollten die Bilder nicht zu persönlich oder zu abstrakt sein. Dein Gegenüber muss sich darin wiederfinden können. Ein Rider-Waite-basiertes Deck mit klaren Szenen funktioniert hier gut.
Für die eigene spirituelle Praxis darfst du ruhig experimenteller werden. Ein abstraktes Deck kann deine Intuition schärfen, weil du nicht in vorgefertigten Deutungen denkst.
Auch dein Erfahrungslevel spielt eine Rolle. Anfänger sind mit klaren, einfachen Bildern besser bedient. Fortgeschrittene dürfen gern in kryptischere Symbolik eintauchen.
Wenn du unsicher bist, welche Bedeutung eine Karte in deiner aktuellen Situation hat, kann eine Tarot-Beratung am Telefon helfen. Unsere Beraterinnen kennen verschiedene Decks und können dir zeigen, wie du deine Karten noch tiefer verstehst.
Das Märchen vom geschenkten Deck
Du hast es vielleicht schon gehört: Ein Tarot-Deck muss dir geschenkt werden, sonst funktioniert es nicht.
Quatsch.
Diese Regel stammt aus einer Zeit, als Tarotkarten schwer zu bekommen waren. Wer eins hatte, gab es weiter. Daraus wurde eine Tradition, dann ein Aberglaube.
Wenn dir jemand ein Deck schenkt, das dich nicht anspricht, gib es weiter. Wenn du in einem Laden stehst und ein Deck dich regelrecht anspringt, kauf es. Punkt.
Du bist die letzte Instanz für das, was sich richtig anfühlt. Niemand sonst.
Die ersten Schritte mit deinem neuen Deck
Du hast dein Deck gekauft. Und jetzt?
Nimm dir Zeit. Pack die Karten aus, schau sie dir in Ruhe an. Manche Leute räuchern ihr neues Deck mit Salbei oder legen es über Nacht auf eine Fensterbank bei Vollmond. Andere mischen es einfach ein paarmal gründlich durch.
Mach, was sich für dich stimmig anfühlt.
Dann zieh eine Karte. Nur eine. Schau sie an. Was siehst du? Welche Farben dominieren? Welche Figuren, welche Symbole? Was löst das Bild in dir aus?
Erst danach schlägst du nach, was die Karte traditionell bedeutet. Vergleiche: Wie nah waren deine Assoziationen an der klassischen Deutung? Wo weichen sie ab?
So lernst du dein Deck kennen. Und dein Deck lernt dich kennen.
Eine Tageskarte ziehen ist übrigens eine gute Übung, um täglich mit deinem Deck zu arbeiten.
Brauche ich mehrere Decks?
Viele Tarot-Fans sammeln mit der Zeit mehrere Decks. Jedes hat seine eigene Energie, seinen eigenen Ton.
Manche nutzen ein Deck für Liebesfragen, ein anderes für Lebensentscheidungen. Manche haben ein Reise-Deck, das klein und robust ist. Manche wechseln je nach Jahreszeit.
Aber am Anfang reicht ein einziges Deck völlig. Lern es kennen. Arbeite damit. Wenn du irgendwann merkst, dass du für bestimmte Fragen ein anderes Deck brauchst, wirst du das spüren.
Bis dahin: Eins genügt.
Mehr zum Thema Kartenlegen allgemein findest du in unserem Artikel über Lenormand Kartenlegen, falls du auch andere Systeme kennenlernen möchtest.
Dein Bauchgefühl ist der beste Ratgeber
Am Ende läuft alles auf eine Frage hinaus: Welches Deck zieht dich an?
Vergiss die Regeln. Vergiss, was andere sagen. Wenn du ein Deck siehst und denkst „Das will ich haben", dann ist das dein Deck.
Tarot funktioniert über Intuition. Und die fängt schon bei der Auswahl an.
Mit der Zeit wirst du vielleicht weitere Decks sammeln. Oder du bleibst bei deinem ersten. Beides ist richtig.
Wichtig ist nur: Das Deck muss zu dir passen. Nicht zu deiner besten Freundin, nicht zu irgendeiner Tarot-Expertin im Internet. Zu dir.
Falls du nach dem Kauf Unterstützung beim Deuten brauchst oder tiefer in die Arbeit mit Tarot einsteigen möchtest, schau dir unseren Artikel über Tarot für persönliches Wachstum an.